Gestalter, Typografie-Enthusiast, Designkolumnist, Marathonläufer, Kaffeeliebhaber

Welchen Einfluss und welche Konsequenzen auf die Gestaltung eines Geschäftsberichtes hat die (allgegenwärtige) Digitalisierung?

Norbert Möller: Ein Geschäftsbericht dient in erster Linie dazu, über ein Jahr der Geschäftstätigkeit zu berichten. Etabliert hat sich jedoch ebenso, dass er zugleich eine Imagedarstellung des Unternehmens ist: Einmal im Jahr gibt es die Möglichkeit, einen kommunikativen Schwerpunkt zu setzen, entweder um das Unternehmen zu erklären oder auch Wachstumsperspektiven aufzuzeigen. Irgendwie liegt es ja auch nahe, Zahlen und Image miteinander zu verknüpfen – und hier bieten digitale Medien spannende Möglichkeiten: Animationen und Videos können vieles, was sich gedruckt nur in vielen Worten erklären lässt, prägnant darstellen. Außerdem lassen sich digitale Geschäftsberichte vom User einfacher nach Schlagworten durchsuchen. Finden statt blättern lautet hier die Devise.

Was ist aus Ihrer Erfahrung die größte Herausforderung im Gestaltungsprozess eines Geschäftsberichtes?

Norbert Möller: Die Printversion wird immer noch überreicht, mitgenommen, aufbewahrt – und was man in den Händen hält, sollte eine gewisse haptische Qualität besitzen. Doch wichtiger als Produktions-Chichi ist die Story: Was will das Unternehmen kommunizieren – und spiegelt sich dieser Ansatz in jedem Element wider? Also im Titel und dem Vorwort ebenso, wie im Stil der Vorstandsfotografie. Die Herausforderung ist dabei, glaubwürdig zu sein: Oberflächliche Inszenierung ist häufig entlarvend. In der heutigen Zeit ist ebenfalls eine Angemessenheit in der Darstellung angebracht.

»Der Geschäftsbericht ist die kommunikative Visitenkarte des Unternehmens.«