Next Generation Lab

Eine junge Designagentur. Nicht im hippen Berlin oder coolen London, sondern in Frankfurt am Main. In einem Büro auf der Berger Straße – im Herzen des kleinbürgerlichen Frankfurter Nordends, mit Cafés, Kinderwagen und Bioläden.

Berger und Design – kann das gut gehen? Das DBF Designbüro Frankfurt ist der Beweis dafür: Es funktioniert offensichtlich. Zwar ist Frankfurt keine Start-up-Location, und auch das kreative Image der Stadt ist eher unterentwickelt – kein Wunder bei den Mieten. Aber: Für das Design Business ist diese Stadt nicht schlecht. Nicht weit von der Berger wächst gerade das neue Ostend rund um die Europäische Zentralbank (EZB). Und das Gebäude der EZB ist immerhin vom Architekturbüro Coop Himmelblau. Irgendwie ist Frankfurt auch in kreativer Hinsicht besser als sein Ruf. Es bewegt sich Einiges, und Designagenturen finden hier leichter Kunden als anderswo. Im Übrigen gibt es nebenan in Offenbach die HfG und weitere gute Designhochschulen in Darmstadt und Mainz. Last but not least: Auch der DDC hat sein Büro in Frankfurt.

„Hallo Katja, du und dein Mitgeschäftsführer Alexander Lis habt 2013 das DBF Designbüro Frankfurt gegründet. Warum hier in Frankfurt – und nicht in Berlin?

Katja Baumann: Es hat sich einfach so ergeben. Ich hatte an der HfG in Offenbach studiert, und später in London. Wir waren in Frankfurt schon vorher gut vernetzt. Aber vielleicht ist der Ort gar nicht so entscheidend. Wichtig ist, dass wir relativ früh den Sprung in die Selbständigkeit gewagt haben. Ich hatte vorher in einer Agentur in Amsterdam gearbeitet, und das war sehr gut und spannend. Ich wollte aber mein eigenes Unternehmen haben, so wie meine Eltern, die vor 26 Jahren einen Handwerksbetrieb gegründet haben. Nach wie vor bin ich davon überzeugt, dass unsere Entscheidung richtig war.

Wie oder warum wird man heute eigentlich Designerin oder Designer? Alexander hat in seinen jungen Jahren ja als Sprayer angefangen.

Katja Baumann: Stimmt, das war in Zwickau. Und er wurde so bekannt und erfolgreich, dass die Stadt ihn irgendwann ganz offiziell beauftragte, das eine oder andere Gebäude zu verschönern. Man kann also sagen: Alexander hat sein Hobby oder besser, seine frühe Leidenschaft, zum Beruf gemacht und ist Designer geworden.

Ihr seid gut im Geschäft und gut vernetzt. Wie schafft man das in jungen Jahren?

Katja Baumann: Ich denke, das eine hängt mit dem anderen zusammen. Wir sind offen, neugierig und kommunikativ. Die Arbeit für und mit anderen Menschen macht uns einfach Spaß. Ich mache gerne Workshops und arbeite als Moderatorin mit dem Schwerpunkt Design-Unternehmertum. Alexander arbeitete bereits mit Studenten u. a. an der Hfg Offenbach und an der Hfg Karlsruhe und leitet kreative Workshops in Unternehmen, wo es unter anderen um Themen wie Corporate Design, Kreativ-Methoden und Innovationsentwicklung geht. So gesehen, ergänzen wir uns gut. Wir sind Mitglieder bei den Wirtschaftsjunioren Frankfurt, bei Design to Business, im Expertenrat für Design und Kreativwirtschaft der IHK Offenbach sowie im Ausschuss Informationswirtschaft der IHK Frankfurt. Für uns alles sehr wichtig, sehr interessant und zukunftsweisend.

Und ihr seid im DDC engagiert

Katja Baumann: Ja, das sind wir, und darüber bin ich sehr glücklich.

Mal indiskret gefragt: Welche Bedeutung hat denn ein so etablierter Verein wie der DDC für junge Designer?

Katja Baumann: Ich denke, der Austausch zwischen älteren, erfahrenen Designern und jungen Leuten kann gerade heute sehr produktiv sein. Um ein konkretes Beispiel zu geben: Wir haben gerade auf der Frankfurter Buchmesse für den DDC das „Next Generation Lab" gemacht. Dabei ging es um Antworten auf die Frage: Wie sieht die Designbranche der Zukunft aus? Das ist natürlich eine Frage, die gerade junge Leute anspricht, die sich für Design interessieren, und die sich fragen, wie ihre beruflichen und persönlichen Chancen in dieser Branche aussehen könnten. Aufgrund des technologischen Wandels und der allumfassenden Digitalisierung ist es jedenfalls klar, dass sich auch das Design und mit ihm die Designer verändern werden. Wir haben als junge Designer, so glaube ich, schon ein besonderes Gespür für die laufenden Veränderungen und mögliche Zukunftstrends. Natürlich können auch wir die Zukunft nicht voraussagen. Aber wir sind dichter an ihr dran als die ältere Generation. Von daher würde ich sagen: Wenn wir uns im DDC engagieren, ist es nicht nur so, dass wir von den alten Hasen lernen. Auch umgekehrt wird ein Schuh daraus: Wir können zumindest in Ansätzen zeigen, wie sich Design, die Designarbeit oder, um das populäre Schlagwort aufzugreifen, Design Thinking in den kommenden Jahren entwickeln werden und welche Konsequenzen das für uns und die gesamte Branche haben wird. Was da mit uns im DDC passiert, ist also eine Vernetzung, die auf Gegenseitigkeit beruht und gewissermaßen auf Augenhöhe stattfindet. So etwas war früher einfach nicht möglich, aber heute in Zeiten des rasanten technologischen und soziokulturellen Wandels kann es funktionieren – einfach, weil die Bedingungen und der Kontext unserer Arbeit sich so tiefgreifend verändert haben und sich permanent weiter verändern."

»Wir haben als junge Designer, so glaube ich, schon ein besonderes Gespür für die laufenden Veränderungen und mögliche Zukunftstrends.«

Fotografie
Büro Schramm für Gestaltung

Interview und Text

Mike Schwarz