Architektin, Holz- und Handwerksliebhaberin, Mutter, Eventgastgeberin

Welche neuen Trends und Entwicklungen beobachten Sie im Architekturbereich? Welche Raum- und Mobilitätskonzepte werden in den nächsten 20 Jahren unsere Umwelt bestimmen?

Sarah Maier: Architektonischer Ausdruck wird zunehmend global. Farben, Materialien, Formen aus sämtlichen Kulturen bilden neue, spannende Stilrichtungen. Das liegt auch daran, dass durch das Internet viel mehr ungefilterte Projekte zu sehen sind als das vor einem Jahrzehnt noch der Fall war. Damals haben einige wenige Redakteure bestimmt, was publiziert wird, heute teilt jeder was ihm gefällt. Das finde ich spannend und ist mir sehr willkommen.

Zu meiner Freude beobachte ich zunehmend Holz. Holz ist heute ein Ausdruck von Lebensqualität, Naturverbundenheit und Wertigkeit und so wird es gerne eingesetzt. Überall beobachte ich gute Lösungen für minimales Platzangebot. Die ausladende Villa mit 400m² Wohnfläche ist nicht mehr wichtig. Wichtig sind funktionsfähige Grundrisse für dicht besiedelte Städte. Beim Ladenbau, der ja meist für Innenstädte konzipiert ist, beobachte ich den Trend, die Natur hereinzuholen.

»Was ich toll finde an Architektur: Es ist keine Frage des Wohlstandes eines Landes, wie gut dessen Architekten sind. Architektur wird umso wertvoller und innovativer, je limitierter die Ressourcen.«

Wie wichtig ist die Architekturvermittlung in der Bildung von Kindern und Jugendlichen? Wann sollte man mit dem Architekturunterricht anfangen?

Sarah Maier: Es gibt zunächst Wichtigeres, als Architektur zu unterrichten: Es fehlen mir zur Zeit definitiv Fächer, die emotionale Kompetenz und ein kritisches Medien- und Konsumverhalten lehren. Alle Kinder bauen gerne Hütten, von daher denke ich, es reicht ein Lernkapitel Architektur in der Oberstufe zu haben.

Im theoretischen Teil lernt man Architekturgeschichte mit den wichtigsten Stilrichtungen der Vergangenheit sowie Einblicke in die Relevanz nachhaltiger Konzepte für die Zukunft. Im praktischen Teil schneidet man maßstäbliches Zeichnen an, Grundriss, Schnitt und Perspektive. Als Übungsteil würde ich einmalig ein Haus entwerfen lassen, um denjenigen, die dafür Begeisterung verspüren, den Weg für später zu zeigen. Alle anderen brauchen nur Kompetenzen, um später beim eigenen Hauskauf oder der Mietsuche Grundrisse lesen zu können.