Thinking Tools

Frankfurt am Main, Museum Angewandte Kunst. Die klassizistische Villa Metzler und drei weiße kubische Gebäude von Richard Meier aus den 1980er Jahren, die perfekt miteinander harmonieren.

Meiers Architektur erinnert an Klassische Moderne – aber nur auf den ersten Blick. Wer genauer hinschaut, findet neue Perspektiven und Details jenseits des Bauhauses. Der Entwurf gilt inzwischen als eine Ikone der Postmoderne. Eine Postmoderne freilich, die sich ihrer Vorgeschichte und Tradition sehr bewusst ist, die Moderne zitiert und bei aller formalen Strenge mit ihr spielt. Also kein besinnungsloser Bruch, sondern eher so etwas wie eine neue, eine Zweite Moderne.

In einem dieser Gebäude findet bis zum 29. Januar 2019 eine Designausstellung statt, die der Marke Lamy und ihren Schreibgeräten gewidmet ist. Die Ausstellungsgestaltung stammt von Mike Meiré, die künstlerischen Beiträge von Christoph Niemann und Kurator ist Dr. Klaus Klemp, Professor für Designtheorie und Designgeschichte an der HfG in Offenbach und Mitglied im DDC. Er erläutert die Ausstellung und ihre Exponate. Und zeigt uns am Beispiel von Lamy, wie Design funktioniert und wie wichtig gerade auch für Designer heute das Wissen über Designgeschichte ist.

»Design transportiert eben auch Emotionen und es dient mehr und mehr der Kommunikation.«

„Lamy. Das sind Füllfederhalter, Kugelschreiber, Druckbleistifte und Tintenroller. Mal etwas despektierlich gefragt: Braucht das im digitalen Zeitalter überhaupt noch ein Mensch?

Klaus Klemp: Sie haben doch gerade selber Notizbuch und Stift dabei. Und Sie wissen aus den Agenturen, dass auch die jungen Leute dort gerne skizzieren, scribbeln, zeichnen. Neue Möglichkeiten und Medien heißt ja nicht, das alte Medien einfach verschwinden. Es gibt immer noch Bücher und Broschüren aus Papier, und die haben gegenüber den elektronischen Medien auch ihre Bedeutung und Berechtigung. Zum Beispiel auch, dass man damit unter Umständen besser, gründlicher und schneller arbeiten kann. Übrigens, was die Lamy-Produkte angeht: Es gibt einen Stift, der gerade bei jungen Leuten im computeraffinen Asien sehr beliebt ist und sich dort bestens verkauft.

Die Ausstellung zeigt Produkte von Lamy und die unterschiedlichen Arbeitsweisen der Designer, die diese Schreibgeräte entwickelt haben. Anscheinend hat da jeder seine eigene Methode.

Klaus Klemp: Ja, das ist schon sehr individuell. Manche zeichnen, andere starten sofort mit dem Computer, und es gibt auch Designer, die sind Jäger und Sammler und nutzen das für ihre Arbeit.

Wie das?

Klaus Klemp: Für das Design vom pico stand ein altes Werkzeug Pate. Sein Schöpfer Franco Clivio sammelt schöne alte Werkzeuge, und eines dieser Vorbilder hat er dann mit Blick auf Form und Funktion für diesen Kugelschreiber als Anregung übernommen. Da war allerdings noch reichlich Neuentwicklung notwendig.

Es gibt ja einige deutsche Unternehmen und Marken, die dank ihrer Designstrategie auch international sehr erfolgreich waren und sind. Lamy ist so ein Name, auch das deutsche Autodesign wird aktuell geschätzt, und der Klassiker, der einem immer sofort einfällt, ist Braun und Dieter Rams, über den Sie ja auch gearbeitet haben.

Klaus Klemp: Braun ist in der Tat ein Klassiker. Und so, wie Dieter Rams gedacht und gestaltet hat – das ist für viele Unternehmen bis heute von Relevanz. Und das nicht nur in Deutschland. Denken Sie nur mal an Apple, das inzwischen eines der größten und wichtigsten Unternehmen weltweit ist.