Pianist, Komponist, Künstler, Sound Designer, Akustikingenieur

Der Wettbewerb steht unter dem Titel »What's Next« und somit spricht er auch die Entwicklung in der digitalen Branche an. Welche neuen Trends und Tendenzen sind aus Ihrer Sicht zu erkennen?

Dr. Renzo Vitale: Die digitale Branche entwickelt sich ständig weiter und erlebt eine permanente Metamorphose, die unerwartete Ausprägungen erfährt. Es gibt einige Themen, die Reife – und teilweise Saturation – erreicht haben, dafür gibt es aber auch Felder, die noch offen und damit vielversprechend sind. Dabei spielen beispielsweise Digitalisierung und Elektrifizierung im Bereich der Mobilität der Zukunft eine wesentliche Rolle.

Diese Themen dienen als Katalysator für andere Aspekte, wie Virtual Reality, Artificial Intelligence, innovative Materialien, 3D Audio und Bionik. Der Versuch, das menschliche Gehirn und Bewusstsein zu interpretieren, simulieren und nachzubauen, vor allem die Geschwindigkeit der technische Veränderungen, sind selten so anspruchsvoll gewesen, wie in der heutigen Zeiten. Das fordert mich und ist gleichzeitig hochspannend.

Als Pianist und Sounddesigner bei BMW bewegen Sie sich in Ihrer Praxis zwischen Kunst, Technik und Gestaltung. Was ist aus Ihrer Sicht die besondere Herausforderung für digitales Design?

Dr. Renzo Vitale: Mein Alltag konfrontiert noch regelmäßig mit diesem Anspruch. Disziplinen, die scheinbar inkompatibel sind wie Musik, Elektrotechnik, Maschinenbau, Akustik und Kunst, zusammen zu bringen. Um dieses Ziel zu verwirklichen, habe ich eine Sprache entwickelt, die auf die Gene der jeweiligen Disziplinen zugreift, um interdisziplinäre Dialoge zu schaffen. So kann auch ein Ingenieur, der keine künstlerische Ausbildung oder jedenfalls Vorkenntnisse hat, die Sprache eines Künstlers nachvollziehen.

Selbst wenn beim digitalen Design die Grund-Parameter anders sind, bleibt das Ziel meiner Meinung nach sehr ähnlich: eine umfangreiche Sprache zu kreieren, die unterschiedliche Menschen und Wahrnehmungs-Ebenen erreicht und bündelt, um Informationen und Emotionen zu teilen. Auch für digitales Design ist das ein Privileg und gleichzeitig eine Verantwortung, das Leben der Menschen zu beeinflussen und, im besten Fall, verbessern zu können.