Die Anwaltskanzlei Brehm & v. Moers mit Standorten in Berlin, Frankfurt am Main und München berät Unternehmen, Selbst­ständige und Privat­personen speziell in den Bereichen Urheber- und Medien­recht, im Informations­­technologie­­recht, im Gewerb­lichen Rechts­­schutz sowie im Arbeits- und Gesell­schafts­­recht. Mitgründer und Rechts­anwalt Guido Hettinger wird uns an dieser Stelle regelmäßig über aktuelle Rechts­­prechungen berichten.

Januar 2021
„Hey Pippi Langstrumpf“ und ein Koffer voller Gold?


Der deutsche Text des Kinder­lieds „Hey Pippi Lang­strumpf“ stellt eine un­freie Bearbeitung der als Sprach­werk geschützten literarischen Figur Pippi Lang­strumpf dar und bedarf deshalb der Zu­stim­mung der Erben der Autorin. Mit Urteil vom 09. Dezember 2020 (Az.: 308 O 431/17) entschied das Land­gericht Hamburg in einem durch die Erben der Kinder­buch­autorin Astrid Lindgren an­gestrengten Ver­fahren gegen die Münchener Film­kunst-Musik­verlags- und Produktions­gesell­schaft, dass der Lied­text ohne die Zu­stimmung der Kläger nicht weiter ver­breitet werden dürfe und die Kläger außerdem An­spruch auf Aus­kunft über die seit 2007 mit dem Lied erzielten Ein­nahmen und Schadens­ersatz für die ihnen hieran bis­lang ver­wehrte Be­teiligung hätten. Die deutsche Text­version verletze das Urheber­recht an der literarischen Figur „Pippi Langstrumpf“.

Pippi Langstrumpf beschäftigt die Gerichte immer wieder. Bereits im Jahre 2013 hatte der Bundes­gerichtshof (BGH) im Streit um ein Karnevals­kostüm den Urheber­rechts­schutz für die literarische Figur grund­sätzlich bestätigt. Im Jahre 2015 wies der BGH so­dann eine Klage der Erben von Astrid Lindgren gegen die Super­markt­kette Penny wegen Urheber­rechts­verletzung durch den Verkauf eines „Püppi“-Karneval­kostüms (rote abs­tehende Zöpfe, kurzes T-Shirt-Kleid und lange Ringel­strümpfe) zurück, weil die Über­ein­stimmungen zwischen der Roman­figur und der Supermarkt-Püppi zu gering gewesen seien.

In dem hiesigen Verfahren vor dem Land­gericht Hamburg stellten die Richter fest, dass das Wesen der literarischen Figur in dem ange­griffenen Lied­text von Wolfgang Franke genial zum Ausdruck gebracht worden sei und der Liedtext auch einen hohen schöpferischen Eigen­gehalt auf­weise. Eben diese Wesens­züge machten aber die literarische Figur – den Character – der Pippi Lang­strumpf aus und seien zu­gunsten der Autorin beziehungs­weise ihrer Erben geschützt. Frankes Text knüpfe damit un­mittel­bar an die Schöpfung von Astrid Lindgren an und stelle deshalb eine genehmigungs­bedürftige Bear­beitung der geschützten Figur dar. Durch die Über­nahme ihrer Merkmale wie Haus, Affe und Pferd bringe der Lied­text zum Aus­druck, dass es sich um die Pippi Lang­strumpf handele, die der Zuhörer bereits aus Lindgrens Erzählungen kenne.

Es ist davon auszugehen, dass die Münchener Film­kunst-Musik­verlags- und Produktions­gesell­schaft gegen das Urteil Berufung einlegen wird. Selbst wenn die Erben den Rechts­streit am Ende gewinnen sollten, stünde damit noch nicht fest, in welcher Höhe sie an den Erträgen aus der Lied­verwertung zu beteiligen wären. Die Klärung dieser Frage könnte die Gerichte sodann ein weiteres Mal über Jahre beschäftigen. Um­gekehrt muss der Verlag im Hinblick auf die drohenden Schadens­ersatz­ansprüche Rück­stellungen bilden. Es bleibt ab­zuwarten, ob die Streit­parteien den Rechtsstreit aus­fechten oder ihn im Vergleichs­wege bei­legen. Denkbar wäre auch, dass der Verlag den Lied­text abändern lässt, um die fest­gestellte Urheber­rechts­verletzung durch einen größeren Abstand zur literarischen Figur ab­zu­wenden. Es bleibt also spannend.

Dezember 2020
Nachvergütung für „Keinohrhasen“

Die Drehbuchautorin des erfolgreichen Films „Keinohrhasen“ hat wegen des außer­gewöhn­lichen Erfolgs des Films auf Nach­vergütung geklagt und einen Etappen­sieg erzielt.

Der Drehbuchautorin der erfolgreichen Kino­filme „Kein­ohr­hasen“ und „Zwei­ohr­küken“ muss Auskunft über die aus der Verwertung der Filme erzielten Ein­nahmen gewährt werden. Das hat das Land­gericht Berlin in erster Instanz eines gegen die Produktions­firma und den Vertrieb der Filme ange­strengten Rechts­streits ent­schieden (Urt. v. 27.10.20, Az. 15 O 296/18). Beide Filme lockten Millionen Besucher in die Kinos. „Kein­ohrhasen“ war 2008 sogar der erfolg­reichste deutsche Film in den deutschen Kinos.

Die Klage der Autorin ist auf den soge­nannten Bestseller­para­graphen im Urheber­recht (§ 32a UrhG) gestützt. Dieser gewährt einen Nach­vergütungs­an­spruch, wenn die für eine Werk­nutzung (hier Ver­filmung) ursprünglich verein­barte Vergütung in An­sehung der später erzielten Erträge in einem auf­fälligen Miss­verhältnis steht.

Um diesen Anspruch geltend machen zu können, muss der Anspruch­steller wissen, wie hoch die Erträge waren. Die klagende Autorin hat deshalb eine soge­nannte Stufen­klage erhoben, mit welcher sie in erster Stufe zunächst nur die Offen­legung der Ein­nahmen der Produktions­firma Bare­foot Films und des Verleihs Warner Bros. aus den einzelnen Aus­wertungs­bereichen – also etwa Kino, DVD, Pay-TV und Streaming­dienste – verfolgt. Dem Auskunfts­begehr wurde statt­­ge­­geben, weil die Zivil­kammer aufgrund des über­durch­schnitt­lichen Erfolgs der beiden Filme Anhalts­punkte für einen möglichen An­spruch der Klägerin auf weitere Beteiligung sah.

Für den Auskunfts­anspruch kommt es also gerade nicht darauf an, in welcher Höhe der Autorin möglicher­weise Nach­vergütungs­ansprüche zustehen, ob sie Allein­autorin der Dreh­bücher war oder lediglich Mit­autorin usw.. Maß­geblich ist allein, dass die Auskunft not­wendig ist, um auf der nächsten Stufe umfassend die Anspruchs­voraus­setzungen aus § 32a UrhG dar­legen zu können.

Bild: Pixabay

November 2020
Das neue Anti-Abmahngesetz

Das neue Gesetz zur Stärkung des fairen Wett­bewerbs („Anti-Abmahngesetz“) ändert in erster Linie das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), aber auch einzelne Bestimmungen des Urheber­rechts- und des Design­gesetzes sowie des Unter­lassungs­klage­gesetzes.

Worum es geht
In Deutschland ist es üblich, Wett­bewerber bei Rechts­verletzungen und bei Verstößen gegen den unlauteren Wettbewerb, wie etwa Verstößen gegen die Preis­angaben­verordnung (PAnGV) oder bei falschen Impressums­angaben abzumahnen und zur Abgabe einer Unterlassungs- und Verpflichtungs­erklärung aufzufordern. Solche Abmahnungen dienen der schnellen Geltend­machung von Unter­lassungs­ansprüchen, um teure und unter Umständen langwierige gerichtliche Aus­einander­setzung zu vermieden.

Allerdings schießt die sogenannte „Abmahn­industrie“ häufig über das Ziel hinaus, indem sie Abmahnungen als Geschäfts­modell betreibt und selbst gering­fügigste Verstöße flächen­deckend und in großer Anzahl kosten­pflichtig abmahnt. So wird das eigentliche Ziel einer Abmahnung, eine schnelle und kostengünstige Lösung eines Rechts­verstoßes zu erreichen, in ihr Gegen­teil verkehrt.

Bereits 2013 sollte das Gesetz gegen unseriöse Geschäfts­praktiken durch Regelungen zur Reduzierung von Streit­werten Schutz vor missbräuchlichen Abmahnungen bieten, indem der finanzielle Anreiz für Abmahnungen als Geschäfts­modell reduziert werden sollte. Auch wurde das UWG um eine Regelung ergänzt, wonach miss­bräuchlich abgemahnte Personen einen Anspruch auf Ersatz der ihnen entstandenen Kosten haben. Offenbar haben diese Regelungen aber bislang nicht den gewünschten Effekt gebracht, weswegen der Gesetz­geber nun mit dem aktuellen Gesetz zur Stärkung des fairen Wett­bewerbs nachjustiert.

Nachdem das Gesetz zur Stärkung des fairen Wettbewerbs im Bundestag angenommen wurde, hat es am 9. Oktober 2020 ohne Einberufung des Vermittlungsausschusses den Bundesrat passiert. Die wesentlichen Regelungen des Anti-Abmahngesetz sind die folgenden:

Abmahnberechtigte Mitbewerber und Wirtschaftsverbände
Mitbewerber, die abmahnen, müssen nach § 8 Abs. 3 Nr. 1 UWG-E tatsächlich geschäftlich tätig sein und in nicht unerheblichem Maße und nicht nur gelegentlich ähnliche Waren oder Dienstleistungen vertreiben oder nachfragen. Ein nach bisheriger Rechtslage schnell angenommenes konkretes Wettbewerbs­verhältnis zum Abgemahnten reicht bei bloßer Randtätigkeit des abmahnenden Mitbewerbers zukünftig nicht mehr aus.

Abmahnende Wirtschaftsverbände müssen zur Abmahnberechtigung gemäß § 8 Abs. 3 Nr. 2 UWG zukünftig in der Liste der sogenannten qualifizierten Wirtschafts­verbände nach dem neu eingefügten § 8a UWG eingetragen sein. Die Voraus­setzungen zur Aufnahme in diese Liste sind in hoch. So muss der Verein kumulativ nach § 8a Abs. 2 Nr. 1 UWG mindestens 75 Unternehmer als Mitglieder haben sowie nach § 8a Abs. 2 Nr. 2 UWG seit mindestens einem Jahr im Vereins­register eingetragen sein und seine satzungs­mäßigen Aufgaben wahrgenommen haben. Mit diesen Änderungen dürften einige unseriöse Abmahn­vereine aus dem Kreis der Abmahn­berechtigten herausfallen.

Schutz vor rechts­missbräuchlichen Abmahnungen und Haftung
Mit dem ebenfalls neu eingefügten § 8b UWG sollen missbräuchliche Abmahnungen verhindert werden. Abmahnungen mit folgenden Merkmalen sind dabei zukünftig verboten:

  • Die Abmahnung, dient vorwiegend dazu, einen Anspruch auf Ersatz von Aufwendungen oder Kosten der Rechtsverfolgung oder die Zahlung einer Vertragsstrafe geltend zu machen, § 8b Abs. 2 Nr. 1 UWG. Dieses Verbot bestand bereits nach bisherigen Recht, ist jedoch um die Fälle provozierter Vertragsstrafen ergänzt worden.
  • Ein Mitbewerber macht eine erhebliche Anzahl von Verstößen gegen die gleiche Rechtsvorschrift durch Abmahnungen geltend (Massenabmahnungen), § 8b Abs. 2 Nr. 2 UWG.
  • Der Ansatz eines unangemessen hohen Gegenstandswerts für eine Abmahnung, § 8b Abs. 2 Nr. 3 UWG.
  • Die Vereinbarung oder Forderung einer erheblich überhöhten Vertragsstrafe, § 8b Abs. 2 Nr. 4 UWG.
  • Der Vorschlag einer erheblich über die abgemahnte Rechtsverletzung hinausgehende Unterlassungsverpflichtung, § 8b Abs. 2 Nr. 4 UWG.


Für alle Fälle der rechtsmiss­bräuchlichen Abmahnung gilt, dass der Abgemahnte die für die Rechts­verteidigung erforderlichen Aufwendungen – also Ersatz seiner eigenen Rechts­beratungs­kosten – verlangen kann, § 8b Abs. 3 UWG.

Anforderungen an eine Abmahnung, Abmahnkosten und Gegenansprüche
Zukünftig muss eine Abmahnung klar festgelegte Informationen enthalten. Ein Verstoß gegen die in § 13 Abs. 2 UWG definierten inhaltlichen Vorgaben für eine Abmahnung (z.B. Benennung des vorgeworfenen Verhaltens und die darauf zurückzuführende Rechtsverletzung) führt zukünftig dazu, dass z.B. Abmahnkosten nicht verlangt werden können. Zudem kann der Abgemahnte bei einer nicht berechtigten oder nicht den Anforderungen des § 13 Abs. 2 UWG entsprechenden Abmahnung unter Umständen den Ersatz der Kosten für die eigene Rechts­verteidigung verlangen, § 13 Abs. 5 UWG.

Werden Verstöße gegen Kennzeichnungs- und Informationspflichten auf Telemedien (z.B. ein Verstoß gegen die Impressums­pflicht nach § 5 TMG) durch einen Mitbewerber abgemahnt, so ist der Erstattungs­anspruch für Abmahnkosten zukünftig ausgeschlossen, § 13 Abs. 4 Nr. 1 UWG.

Das Gleiche gilt für Abmahnungen von Kleinstunternehmen (weniger als zehn Mitarbeiter und maximal 2 Millionen Euro Jahresumsatz) und kleinen Unternehmen (weniger als 50 Mitarbeiter und maximal 10 Millionen Euro Jahresumsatz) oder von vergleichbaren Vereinen mit gewerblicher Tätigkeit wegen Verstößen gegen die DSGVO oder das BDSG, § 13 Abs. 4 Nr. 2 UWG.

Anforderungen an Vertragsstrafenregelungen
Mitbewerber dürfen nach § 13a Abs. 2 UWG keine Vereinbarung einer Vertrags­strafe fordern, wenn die Unterlassungs­verpflichtung erstmals gefordert wird.

Erfolgt die erstmalige Abmahnung des Verstoßes dagegen durch einen Wirtschafts­verband, eine qualifizierten Einrichtung, eine Industrie- und Handels­kammer, Handwerks­kammer oder Gewerkschaft, besteht auch weiterhin die Möglichkeit, zur Streit­beilegung unmittelbar die Abgabe einer mit einer angemessenen Vertrags­strafe bewehrten Unterlassungsverpflichtung zu verlangen.

In einfach gelagerten Fällen ist die Vertrags­strafe für Verstöße allerdings auf maximal EUR 1.000,00 begrenzt, ebenso der Streitwert des Gerichts­verfahrens.

Sachliche und örtliche Zuständigkeit eines Gerichts / „Fliegender Gerichtsstand“
§ 14 UWG fasst in Zukunft die sachliche und örtliche Zuständigkeit der Zivil­gerichte in einer Norm zusammen und schafft den sogenannten „fliegenden Gerichts­stand“, bei dem sich der Kläger vor allem bei Verstößen im Internet das Gericht mit der ihm günstigsten Spruchpraxis aussuchen konnte, ab. § 14 Abs. 2 UWG regelt nunmehr, dass grundsätzlich nur das Gericht örtlich zuständig ist, in dessen Bezirk der Beklagte seinen allgemeinen Gerichts­stand hat. Eine Ausnahme gilt nach § 14 Abs. 2 S. 2 UWG z.B. für Messeorte („örtlich begrenzter Kreis von Marktteilnehmern“) oder wenn der Beklagte im Inland keinen allgemeinen Gerichts­stand hat.

Fazit
Die dargestellten Regelungen ergänzen das „Gesetz gegen unseriöse Geschäfts­praktiken“ vom 1. Oktober 2013, welches bereits den Schutz vor missbräuchlichen Abmahnungen zum Ziel hatte. Die weiterhin hohe Zahl an Abmahnungen, welche primär die Erzielung von Gebühren und Vertrags­strafen bezwecken, macht ergänzende Regelungen zur weiteren Eindämmung eines Abmahnmiss­brauchs erforderlich. Kleinst- und kleine Unternehmen werden zukünftig noch etwas besser geschützt. Insgesamt sind die Anforderungen an kostenpflichtige Abmahnungen einschließlich Vertrags­strafen­vereinbarungen durch das Maßnahmenpaket des Anti-Abmahn­gesetzes gestiegen. Ob dies tatsächlich zu einem Rückgang rechts­missbräuchlicher Abmahnungen führen wird, bleibt abzuwarten, weil professionelle Abmahn­kanzleien und -vereine sich schnell auf die neuen Anforderungen einstellen werden.

Oktober 2020
Aus für „Badman & Robben“?

Der FC Bayern München ließ Merchandising­artikel von Karikaturen seiner Spieler Franck Ribéry und Arjen Robben drucken und musste sich danach wegen einer Urheber­rechts­verletzung verantworten. Am 8. September 2020 gab die auf Urheberecht spezialisierte 21. Zivilkammer des Landgerichts München I der Klage eines Grafikers gegen die FC Bayern München AG statt (Urt. v. 09.09.2020 Az. 21 O 15821/19).

Der Kläger hatte riesige Karikaturen der beiden Ex-Bayern-Stars Franck Ribéry und Arjen Robben als Varianten von Batman und Robin entworfen, die beim DFB-Pokal-Halbfinale zwischen den Bayern und Borussia Dortmund im April 2015 in der Münchner Allianz Arena in der Fankurve der Bayern gezeigt wurden. Darunter hatte er den Slogan „The Real Badman & Robben“ platziert. Der Verein druckte diesen Slogan zusammen mit neu gezeichneten, aber ganz ähnlichen Motiven auf Merchandising-Artikel, wie beispielsweise Becher und T-Shirts. Hierdurch fühlte sich der Grafiker in seinem Urheberrecht verletzt.

Der FC Bayern verteidigte sich damit, dass die Figuren „Batman & Robin“ und deren Gestal­tung mit Maske nicht vom Kläger stammten, sondern vorbekannt gewesen seien. Außerdem handele es sich bei den vom Verein genutzten Bildern, um eigenständige Werke, die von den Karikaturen des Klägers abwichen. Der Slogan sei nicht selbständig schutzfähig, weil es ihm an der notwendigen Kreativität für die urheberrechtliche Gestaltungshöhe fehle.

Das Landgericht folgte dieser Argumentation nicht, sondern bestätigte, dass es sich bei den Zeichnungen des Grafikers im Zusammenspiel mit dem verwendeten Slogan „The Real Badman & Robben“ um ein schutzfähiges (Gesamt-)Werk handele. Der Grafiker habe „die Eigenschaften der vorbekannten Figuren mit denen der – ebenfalls bekannten – Spieler des FC Bayern neu verwoben und durch einen schöpferischen Akt neue Figuren geschaffen“.

Sollte das Urteil rechtskräftig werden, kann der Grafiker Auskunft über den Gewinn, den der FC Bayern mit den Merchandise-Produkten erzielt hat, verlangen und auf diese Auskunft gestützt Schadensersatzansprüche geltend machen.

September 2020
Quadratisch. Praktisch. Geschützt.

Der Versuch von Milka, eine von Ritter Sport registrierte Formmarke für die quadra­tische Form von Schokoladentafeln löschen zu lassen, ist gescheitert. Nach einer Entscheidung des Bundes­­gerichts­hofs (Az. I ZB 42/19 u.a.) wird Ritter Sport auch weiterhin die einzige quadratische Schokolade in Deutschland bleiben. Der Traditionshersteller darf sich die charakteristische Verpackungsform weiter als Marke schützen lassen. Das hat der Bundes­gerichts­hof (BGH) in Karlsruhe in letzter Instanz entschieden.

Die Alfred Ritter GmbH & Co. KG hat sich die quadratische Verpackung in den 1990er Jahren als Marke schützen lassen. Die Konkurrenz von Milka hatte zehn Jahre lang versucht, das Monopol vor Gericht zu kippen – am Ende vergeblich. Entscheidend in dem Fall war die Frage, ob die Form der Ware ihren „wesentlichen Wert“ verleiht. Denn eine Marke kann immer dann keinen Schutz beanspruchen, wenn sie ausschließlich aus einer Form besteht, „die der Ware einen wesentlichen Wert verleiht“ (Art. 3 Abs. 1 lit. e Marken-RL 89/104/EWG).

Diese Voraussetzung sahen die Richter bei Ritter Sport nicht erfüllt. Die Form habe keinen künstlerischen Wert und führe auch nicht zu Preisunterschieden im Vergleich zu anderen Tafelschokoladen. Zwar sehe der Verbraucher die Verpackung als Hinweis auf die Herkunft der Schokolade und verbinde damit letztlich auch Qualitätserwartungen, er kaufe die Schokolade aber nicht hauptsächlich aus ästhetischen und funktionalen Gesichtspunkten. Bei dieser Beurteilung spielte die Vermarktungsstrategie von Ritter Sport mit dem bekannten Slogan „Quadratisch. Praktisch. Gut.“ eine wichtige Rolle.

August 2020
Kein Urheberrecht für „Früher war mehr Lametta“

Die Antragsgegnerin vertreibt in ihrem Onlineshop T-Shirts und andere Waren mit dem Aufdruck „Früher war mehr Lametta“. Hierbei handelt es sich um ein Loriot-Zitat aus dem Sketch „Weihnachten bei Hoppenstedts“. Loriots Erben stellten einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen die Betreiberin des Onlineshops, um ihr den Verkauf und die Bewerbung der Waren verbieten zu lassen.

Entscheidung
Das OLG München schloss sich der erstinstanzlichen Entscheidung des LG München an und wies den Unterlassungsantrag zurück. Der Wortfolge „Früher war mehr Lametta“ fehle es an der für eine Werkqualität i.S.v. §2 Abs. 1 Nr. 1 UrhG erforderlichen Originalität und Schöpfungshöhe.

Für eine Einordnung als urheberrechtlich geschütztes Werk sei erforderlich, dass es eine persönliche geistige Schöpfung seines Urhebers zum Ausdruck bringe. Auch wenn man den Maßstab der sogenannten kleinen Münze bei Sprachwerken zugrunde lege, so das OLG München weiter, erhalte die Wortfolge ihre Besonderheit und Originalität allein durch die Einbettung in den Loriot-Sketch „Weihnachten bei Hoppenstedts“ und die Situationskomik. Losgelöst hiervon handele es sich um einen eher alltäglichen und belanglosen Satz, der entweder schlicht zum Ausdruck bringe, dass früher mehr Lametta benutzt wurde, oder metaphorisch, dass es früher „mehr Schmuck, Glanz, festliche Stimmung oder Ähnliches“ gegeben habe.

Daran änderten auch die geltend gemachte grammatikalische Originalität der Wortfolge und die Absicht nichts, den Ausspruch „Früher war alles besser“ der Lächerlichkeit preiszugeben. Schließlich sei für die Beurteilung der Werkqualität auch unbedeutend, dass die Wortfolge für verschiedene Produkte verwendet wurde, da auch banale Wortfolgen nachgefragt sein könnten.

Praxishinweis
Die Entscheidung stützt sich auf die „Infopaq“-Entscheidung des EuGH aus dem Jahre 2009. Der EuGH hatte geurteilt, dass eine aus elf Teilen bestehende Wortfolge urheberrechtlichen Schutz genießen kann. Das Bejahen der Schutzfähigkeit stand jedoch auch dort unter dem Vorbehalt, dass die zitierten Worte selbst die eigene geistige Schöpfung durch den Urheber zum Ausdruck bringen müssen. Vorliegend vermochten die Münchner Richter zwar dem Hauptwerk „Sketch“ Werkqualität zuzuerkennen. Die Einbettung des Satzes „Früher war mehr Lametta“ in diesen und die Situationskomik vermochten der an sich nicht eigentümlichen Wortfolge aber nicht die hinreichende Schöpfungshöhe zu verleihen.

Anders hat das LG München im Jahr 2014 entschieden. Dort hielt es besonders eigen­­schöpfer­ische Buchrezensionen für urheberrechtlich schutzfähig und bejahte den Werk­schutz für die Verwendung des Begriffs „schwarzes Loch“ für eine Zeitepoche und die Wortfolge „Feuerwerk kriminalistischer Harmlosigkeit“.

Angesichts der insgesamt eher restriktiven Rechtsprechung zur Schutzfähigkeit knapper Wortfolgen sind Agenturen und Werbungtreibende gut beraten, sich nicht auf die urheber­rechtliche Schutzfähigkeit kurzer Wortfolgen oder Slogans zu verlassen. Stattdessen sollte hierfür stets die Anmeldung einer Wort- oder einer Wort-/Bildmarke erwogen werden.

Juli 2020
Klarer Rechts­­­rahmen für Influencer-Marketing

Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz will einen sicheren Rechts­rahmen für unentgeltliche Empfehlungen von Influencern und Bloggern schaffen und hat dazu am 13. Februar 2020 einen Regelungsvorschlag veröffentlicht.

Obgleich Cathy Hummels den gegen sie wegen angeblicher Schleichwerbung geführten Prozess im vergangenen Jahr gewinnen konnte, brachte der Prozess nicht die gewünschte Klarheit, ob Influencer und Blogger überhaupt noch Dinge anpreisen dürfen, ohne das als Werbung zu kenn­zeichnen – auch wenn es sich nicht um Werbung handelt. Daher begannen viele Influencer, jeden einzelnen Post mit Hashtags wie #Anzeige oder #Werbung zu versehen – obwohl es sich nicht zwangs­läufig um solche handelte.

Nach dem neuen Gesetzes­entwurf, der das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) ergänzt, soll der Vermerk dann nicht mehr nötig sein, wenn die Äußerungen ohne Gegen­leistung erfolgen und vorrangig der Information und Meinungsbildung dienen. Würde der Gesetzes­vorschlag ratifiziert werden, brächte das nicht nur Klarheit, sondern auch Rechts­sicherheit – sowohl für Unternehmen als auch Influencer.

Bild: PXHERE

Juni 2020
Cookies auf Websiten erfordern aktive Zustimmung

Nutzer müssen der Verwendung von Cookies im Internet aktiv zustimmen, eine voreingestellte Lösung ist nicht mehr zulässig. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) am 28.05.2020 in seiner Entscheidung „Cookie-Einwilligung II“ entschieden. Das Urteil hat weitreichende Folgen für die Einwilligungsgestaltung von Webseitenbetreibern in Deutschland. Denn bislang gab es für deutsche Internetportale ein Schlupfloch im Telemediengesetz.

Dem Urteil liegt ein Streit zwischen einem Anbieter von Onlinegewinnspielen, Planet49, und dem Bundesverband der Verbraucherzentralen zugrunde. Die Verbraucherschützer hatten gerügt, dass ein voreingestelltes Häkchen zur Cookie-Einwilligung den Nutzer unangemessen benachteilige und klagten auf Unterlassung. Der BGH hatte die Frage zu klären, ob ein Nutzer durch ein voreingestelltes Kästchen überhaupt wirksam der Cookie-Setzung zustimmen kann. Im Fokus des Streits stand die Vereinbarkeit des deutschen Telemediengesetzes (TMG) mit der europäischen E-Privacy-Richtlinie. Während die E-Privacy-Richtlinie Webseitenbetreiber dazu verpflichtet, den Nutzer aktiv zustimmen zu lassen, wenn personenbezogene Daten gespeichert werden, lässt das deutsche TMG, auf das sich Planet49 berief, die Option eines Widerspruchs offen. Hiernach müsste ein Webseitenbesucher also lediglich über das Setzen von Cookies und seine Möglichkeit dem zu widersprechen aufgeklärt werden (Opt-out-Lösung). Der BGH entschied nun, dass die deutsche Lösung nicht zulässig ist.

Unter Datenschützern ist die Gestaltung und Verwendung von technisch nicht notwendigen Cookies, also etwa für Marketingzwecke, schon lange umstritten. Ursprünglich sollte mit Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) im Jahr 2018 auch eine neue E-Privacy-Verordnung kommen. Als Verordnung würde sie – anders als eine Richtlinie, die die nationalen Gesetzgeber lediglich zur Umsetzung verpflichtet – unmittelbar wirken und nationales Recht verdrängen. Gerade im Hinblick auf die Handhabung von Cookies konnte sich jedoch bis heute kein Entwurf durchsetzen. Insofern bringt das neue Urteil des BGH zumindest vorläufig mehr Planungssicherheit für deutsche Unternehmen im Umgang mit dem User-Tracking. Ob die Verpflichtung zur aktiven Einwilligung auch für unbedingt erforderliche – funktionale – Cookies gilt oder, ob diese nach wie vor in den gängigen Cookie-Consent-Management-Tools voreingestellt werden können, wurde in dem Verfahren nicht entschieden.