Review Learn & Burn – Day for Female Networking 2026
Wie gelingt Sisterhood in der Kreativbranche? Beim „Learn & Burn – Day for Female Networking“-Event der Women of DDC kamen 300 Frauen* am 22. Mai 2026 in Frankfurt am Main zusammen – zum Lernen, Diskutieren und Vernetzen über alle Disziplinen hinweg.
Auch Netzwerke können netzwerken. Sie wachsen durch Begegnungen, gemeinsame Erfahrungen und den Austausch von Wissen. Genau dafür bot das Event Learn & Burn – Day for Female Networking einen Raum. Im Rahmen der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 kamen am 22. Mai 2026 rund 300 Teilnehmer*innen in der Evangelischen Akademie Frankfurt zusammen, um sich zu vernetzen, voneinander zu lernen und gemeinsam über die Zukunft der Kreativbranche nachzudenken.
Initiiert und organisiert von den Women of DDC verband die Meta-Netzwerk-Veranstaltung Vorträge, Diskussionen, Workshops und Dialog-Formate zu einem Programm, das die Vielfalt weiblicher Perspektiven sichtbar machte und den Austausch zwischen unterschiedlichen Disziplinen förderte.
Impulse und Einblicke in strukturelle Herausforderungen
Den Tag eröffneten die Moderatorin Daniela Bublitz sowie die Gastgeberinnen Susanne Wacker, Vorständin des Deutschen Design Club, und Sophie Dobrigkeit für die Women of DDC. Bereits hier wurde deutlich, worum es bei Learn & Burn geht: um Sichtbarkeit, Austausch, gegenseitige Unterstützung und die Frage, wie Netzwerke zu konkreter Veränderung der Strukturen beitragen können.
Den ersten inhaltlichen Impuls setzte die Psychologin und systemische Beraterin Ute Clement mit ihrer Keynote „Wie Sisterhood gelingt“. Sie sprach über die Voraussetzungen gelingender Zusammenarbeit, über Vertrauen, Solidarität und die Fähigkeit, Konkurrenzdenken zugunsten gegenseitiger Unterstützung zu überwinden.
Anschließend richtete Claude Herling, Vorsitzende des international Gender Design Network (iGDN), den Blick über nationale Grenzen hinaus. In ihrem Vortrag „Unterwegs zu einem globalen feministischen Design-Netzwerk“ zeigte sie, wie sich Designerinnen weltweit organisieren und welche Potenziale in internationalen Kooperationen liegen.
Im Deep Dive „Why Learn & Burn“ erläuterten Prof. Annette Bertsch und Sophie Dobrigkeit die Entstehungsgeschichte des Projekts. Sie beschrieben die Motivation der Women of DDC, ein Netzwerk zu schaffen, das Frauen* in der Kreativbranche stärkt, Erfahrungen bündelt und neue Verbindungen ermöglicht. Learn & Burn sei dabei nicht als Einzelveranstaltung gedacht, sondern als Teil eines längerfristigen Prozesses.
Unter dem Titel „Andere Branchen, gleiche Herausforderungen?“ stellten Netzwerk-Vertreterinnen verschiedener Branchen ihre spezifischen Situationen und Ziele vor. Im Anschluss folgte eine gemeinsame Panel-Diskussion. Mit dabei waren:
- Julia Peters (WIFT Germany. Women in Film and Television)
- Leah Bethman und Juliane Herrmann (Female Photoclub)
- Lea Heinrich (Women in Mobility)
- Antje de Vries (Cherry Bombe / Parabere Forum)
- Susanne Petry (Architektur im Dialog)
- Sandra Pörtner-Kuhl und Barbara Witzel (Women For Future)
- Prof. Annette Bertsch (Women of DDC)
Die Diskussion zeigte, dass sich viele Herausforderungen branchenübergreifend ähneln. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Branchen mit größeren Unternehmen in einigen Bereichen bereits weiter fortgeschritten sind. Besonders hervorgehoben wurde das Spezifische der Situation in der Kreativbranche, die stark von Soloselbstständigen und Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten geprägt ist: Fehlende Sichtbarkeit, ungleiche Repräsentation in Führungspositionen und die Frage, wie nachhaltige Netzwerke aufgebaut werden können, aber auch viel Erfahrung und Wissen, das bereits in den verschiedenen Initiativen vorhanden ist.
Begegnungen auf Augenhöhe im Panoramasaal
Am Nachmittag verlagerte sich der Fokus auf aktiven Austausch und persönliche Begegnungen.
Beim Speed-Dating Format mit dem Titel „Women meet Women“ kamen Teilnehmerinnen unterschiedlicher Generationen, Fachrichtungen und Erfahrungsstufen miteinander ins Gespräch. Die Resonanz zeigte, wie groß das Bedürfnis nach direktem Austausch innerhalb der Kreativbranche ist.
Das Speed-Dating war in drei Teile aufgeteilt: „Share“, „Meet“ und „Yap“. In kurzen Sessions stellten Kreative, Unternehmerinnen und Hochschulvertreterinnen ihre Erfahrungen, Projekte und Perspektiven vor.
Zu den Speakerinnen gehörten:
- Daniela Burger und Catrin Sonnabend (Format Club)
- Maria Wintz (Ladies, Wine & Design Düsseldorf)
- Prof. Maiken Laackmann (Hochschule Düsseldorf)
- Nelly Selcho (Grotesk Group)
- Janine Seggewiß (Hochschule Düsseldorf)
- Paulina Porten und Marina Helena Müller (FemReality)
- Prof. Katharina Drasdos und Kaja Poestges (DRASDOS_)
Moderiert wurden die Sessions von den DDC Directorinnen NRW Nina Neusitzer und Beate Steil.
Ergänzt wurde das Programm durch die Networking-Wand „Face it: Wir sind viele!“, die die Vielfalt der Teilnehmer*innen sichtbar machte und schnell zu einem zentralen Treffpunkt wurde.
Workshops: Erfahrungen teilen und neue Perspektiven gewinnen
Ebenfalls am Nachmittag standen verschiedene Workshops auf dem Programm, die sich mit Netzwerken, Diversität, Karrierewegen und Sichtbarkeit beschäftigten.
Im Workshop „Netzwerk Insights“ berichteten Luella Döringer, Nina Gänsler, Anja Haas, Lisa Oelsen, Janina Poesch, Lea Waldera und Maria Wintz über den Aufbau und die Weiterentwicklung von Communities im Rahmen von Ladies, Wine & Design. Im Mittelpunkt standen Fragen nach nachhaltigen Strukturen, erfolgreicher Netzwerkarbeit und der Bedeutung von Austauschformaten für die berufliche Entwicklung.
Der Workshop „The Struggle is Real!“ wurde von Lynn Joana Witzel (Selfmade Designer Collective) sowie Marie Dowling und Alice Schaffner (agentur alma) gestaltet. In persönlichen Beiträgen und offenen Gesprächen ging es um Selbstzweifel, Unsicherheiten, Karrierewege und die Realität kreativer Arbeit.
Mit „Superpower Vielfalt“ brachten Birgit Sobiech, Yvonne Fein und Lena Weisweiler (BDG Berufsverband Kommunikationsdesign e.V.) das Thema Gleichstellung und Diversität in die Diskussion ein. Mithilfe des EQT-Toolkits wurden strukturelle Herausforderungen sichtbar gemacht und Möglichkeiten für gerechtere Arbeits- und Organisationsformen diskutiert.
Im Workshop „Starke Wörter“, geleitet von Ina Hengstler, sammelten die Teilnehmerinnen Gedanken, Erfahrungen und Forderungen des Tages und übersetzten sie in gestaltete Botschaften auf Schildern. Diese Schilder bildeten später beim Umzug über den Römer zur Abendveranstaltung sichtbare Botschaften und ein gemeinsames Bild dessen, was die Teilnehmerinnen derzeit bewegt.
Designing Future
Ebenfalls am Nachmittag verband sich Learn & Burn mit dem 7. Frankfurter Business Women’s Day.
Nach einem Grußwort von Tina Zapf-Rodríguez, Dezernentin für Klima, Umwelt und Frauen der Stadt Frankfurt am Main, sprach Dr. Julia-Constance Dissel in ihrer Keynote „Designing Future“ über die Rolle von Gestaltung in Zeiten gesellschaftlicher Transformation.
Im anschließenden Panel diskutierten Vertreterinnen aus Design, Kultur und Wissenschaft über die Frage, wie Gestaltung zu mehr Teilhabe, Sichtbarkeit und gesellschaftlicher Wirkung beitragen kann. In der Diskussion griffen Dr. Julia-Constance Dissel (Hochschule Darmstadt), Maureen Ekizoglu (Leiterin Dialogmuseum Frankfurt), Carolina Romahn (CEO World Design Capital 2026) und Marie Träger (Women of DDC) viele Themen des Vormittags auf und stellten sie in einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang.
Vom Gespräch zur gemeinsamen Haltung
Einer der eindrücklichsten Momente des Tages entstand aus den Ergebnissen des Workshops „Starke Wörter“. Die dort entwickelten Botschaften wurden in einer gemeinsamen Parade präsentiert und machten sichtbar, was sich durch den gesamten Tag gezogen hatte: Unterschiedliche Erfahrungen, Perspektiven und Positionen verbanden sich zu einer gemeinsamen Haltung. Von der Evangelischen Akademie führte der Weg über den Römer, wo vor dem Rathaus ein kurzer, viel beachteter Zwischenstopp eingelegt wurde, hin zum Ort der Abendveranstaltung, dem Massif Central.
Networking Night im Massif Central
Mit der Networking Night setzte sich der Austausch am Abend im Massif Central fort. Nach einer gemeinsamen Rückschau auf den Tag, moderiert von DDC Vorständin Bettina Otto und DDC Mitglied Friederike Bothe, folgte ein digital zugeschalteter Impuls von Prof. Dr. Julia Voss. Die Kunsthistorikerin sprach über die visionären Frauen Hildegard von Bingen und Hilma af Klint, deren Leistung lange übersehen wurde, und stellte die Frage nach Sichtbarkeit und Anerkennung neu.
Im anschließenden Panel „Gemeinsam wachsen“ diskutierten Lynn Witzel, Corinna Gratzl und Julia Klass mit Bettina Otto, welche Voraussetzungen Netzwerke benötigen, um langfristig wirksam zu bleiben. Im Mittelpunkt standen Solidarität, gegenseitige Förderung und die Verantwortung, Erfahrungen weiterzugeben.
Bis in den späten Abend hinein wurde diskutiert, Kontakte wurden vertieft und neue Kooperationen angestoßen. Der sommerliche Abend wurde musikalisch begleitet von Juliana/DJane Julez und kulinarisch vom Team Massif Central.
Das Team hinter Learn & Burn
Das gesamte Projekt wurde von einem ehrenamtlich arbeitenden Team der Women of DDC entwickelt und umgesetzt.
Zum Kernteam gehören:
- Prof. Annette Bertsch (BERTSCH.Brand Consultants)
- Friederike Bothe (grafiksalon)
- Heike Brockmann (heimoto)
- Sophie Dobrigkeit (Dobrigkeit Design)
- Marie Dowling (agentur alma)
- Claudia S. Friedrich (zweigrad)
- Ina Hengstler
- Nina Neusitzer (Neusitzer Brand Identity)
- Prof. Bettina Otto
- Susanne Puzicha (à propos kommunikation & design)
- Beate Steil (BEATESTEIL)
- Marie Träger (Prinzträger)
- Hannah Wachenfeld
- Susanne Wacker (design hoch drei)
- Lynn Joana Witzel (STUDIO) LYNN JOANA
Über viele Monate hinweg arbeiteten sie gemeinsam an Konzept, Programm, Kommunikation, Partnerschaften und Organisation. Die Zusammenarbeit selbst spiegelte dabei die Grundidee von Learn & Burn wider: unterschiedliche Kompetenzen zusammenbringen und gemeinsam etwas entstehen zu lassen, das größer ist als die Summe seiner Teile.
Ein Anfang, kein Abschluss
Learn & Burn hat gezeigt, wie viel Potenzial in Netzwerken steckt, wenn sie bewusst gestaltet werden. Die Veranstaltung brachte Menschen zusammen, die sich sonst vermutlich nie begegnet wären, und schuf Räume für Gespräche, die über den Tag hinaus wirken.
Viele Teilnehmerinnen gingen mit neuen Kontakten, neuen Ideen und neuen Perspektiven nach Hause. Vor allem aber mit der Erfahrung, Teil eines größeren Netzwerks zu sein, das auf Austausch, gegenseitiger Unterstützung und gemeinsamer Entwicklung basiert.
Oder, wie es die Women of DDC in ihrem Statement formulieren:
„Während man alleine vielleicht verbrennt, leuchtet man gemeinsam.“
Fotos: Anna Kirchner
Branding/Design: agentur.alma




















