DESIGN DISKURS
Seit 2010 forscht das Mariann Steegmann Institut (MSI) zum Thema „Kunst und Gender“ an der Universität Bremen. Ein Schwerpunkt ist das langfristig eingerichtete Forschungsfeld „wohnen+/- ausstellen“.
Das Mariann Steegmann Institut (MSI) forscht zum Thema „Kunst und Gender“ und ist selbst eine „kleine Bremer Rarität“, wie die TAZ 2023 schrieb. Seit Juni 2010 von Prof. Dr. Irene Nierhaus und Dr. Kathrin Heinz gegründet und mit Sitz an der Universität Bremen, widmet sich das Institut dem Hauptthema „wohnen+/-ausstellen“ in Forschung und Lehre. Es untersucht, wie etwas so scheinbar Privates und Individuelles wie das Wohnen immer gesellschaftlich vermittelt, überformt, eingerichtet und zugerichtet wird.
Nicht nur die Forschung und Lehre sowie Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, sondern auch eine Vernetzung von seinem „Denk- und Diskursraum“ wird vom Institut angestrebt, auch durch vielfältige Kooperationen mit anderen Institutionen. Das ist möglich, weil es als Drittmittelinstitut aus der gleichnamigen Stiftung finanziert wird. Stifterin ist die Psychologin und Erbin einer Kunstsammlung, Mariann Steegmann, die einen Teil ihres Vermögens zur Förderung von Frauen in Kunst und Musik vorgesehen hat.
„Architektur für Alle?!“
Da entstand beispielsweise 2023 der Forschungssalon „Architektur/Feminismus“ in der Ausstellung „Architektur für Alle?!“ im Bremer Wilhelm Wagenfeld Haus. Da sind kontinuierlich Vortragsreihen, auch online, wie im Mai/Juni 2025, in Kooperation mit dem Institut für Kunstwissenschaft - Filmwissenschaft - Kunstpädagogik der Universität Bremen. Da sind Tagungen, eine Schriftenreihe oder eine Forschungsbibliothek, und vieles mehr.
„Wohnen – jener vermeintliche Ort des Privaten – ist in der Moderne als gesellschaftlicher Schauplatz figuriert, an dem sich die innenorientiert moderne Subjektivität fortwährend veräußert, ausstellt und ausstellen muss“, heißt es in einer der programmatischen Einführungen in die Forschung. „Wohnen richtet als politische, soziale und kulturelle An-Ordnung Zuschreibungen an Geschlechter, Ethnien, Körper und Nation ein. Auch Ausstellen ist eine Konstellation sozialer und kultureller Narrative, die im Akt des Zeigens Wissen und Vorstellungen produziert.“
Geschlechterdifferente Fragestellungen
Im Forschungsfeld „wohnen+/-ausstellen“ wird nun das Prinzip des Einrichtens und Ausstellens in verschiedenen bildlichen und räumlichen Formaten untersucht, zum Beispiel in Wohn- und Kunstausstellungen, Interieur(Bildern), Publikumszeitschriften, Film, Fernsehen und Internet, und zwar unter geschlechterdifferenten Fragestellungen.
Beispielsweise konzentriert sich das Projekt „Wohnseiten“ auf die Erforschung von deutschsprachigen illustrierten Zeitschriften zum Thema Wohnen. Gefragt wird, auf welche Weise Zeitschriften und weitere (inter-)mediale Formate Diskurse des Wohnens produzieren, gestalten und vermitteln, und inwiefern dadurch die seit der Moderne wirksamen Vorstellungs- und Subjektivierungsweisen konstitutiv mitgestaltet werden.
Transdisziplinäre Forschung
Amelie Ochs und Dr. Rosanna Umbach widmen sich anhand mehrerer Beiträge in den Kritischen Berichten Nr. 53, 2025, dem Thema „Wohnen mit Klasse“. Hier geht es um die neuen Klassismen, wie sie sich in Werte- und Ästhetikgemeinschaften, beispielsweise auf Social Media, äußern. Oder das Projekt „c/o HABITAT TIER“ unter der Leitung von Dr. Christiane Keim, Dr. Silke Förschler und Astrid Silvia Schönhagen untersucht, welchen Platz Menschen den Tieren zuweisen, und zwar in Anlehnung an Donna Haraways Konzept der „interspecies relationships“ sowie in Erweiterung des klassischen Oikos-Begriffs. Hier wie auch in anderen Forschungsfeldern werden im Sinne der Transdisziplinarität neue und neueste Forschungsansätze aufgegriffen. Um diesen Prozess zu fördern, wurden von der Forschungsgruppe „wohnen+/-ausstellen“ Forschungswerkstätten eingerichtet, in denen die Teilnehmer*innen in regelmäßigem Austausch stehen.
Seit 2013 lädt das Institut darüber hinaus regelmäßig Künstler*innen und Gestalter*innen zu Vorträgen ein, deren künstlerische Positionen diskursive Anschlussstellen und konzeptionelle Verschränkungen zum Forschungsfeld „wohnen+/-ausstellen“ bieten. Mit seinen zahlreichen Forschungs-, Lehr- und Vermittlungsformaten beabsichtigt das Institut, die akademische Institution Universität erheblich zu erweitern.
Weitere Informationen:
www.mariann-steegmann-institut.de