DESIGN DISKURS

Seit 2010 forscht das Mariann Steegmann Institut (MSI) zum Thema „Kunst und Gender“ an der Universität Bremen. Ein Schwerpunkt ist das langfristig eingerichtete Forschungsfeld „wohnen+/- ausstellen“.

Veröffentlicht am 05.11.2025

Das Ma­ri­ann Steegmann In­sti­tut (MSI) forscht zum The­ma „Kunst und Gen­der“ und ist selbst ei­ne „klei­ne Bre­mer Ra­ri­tät“, wie die TAZ 2023 schrieb. Seit Ju­ni 2010 von Prof. Dr. Ire­ne Nier­haus und Dr. Kath­rin Heinz ge­grün­det und mit Sitz an der Uni­ver­si­tät Bre­men, wid­met sich das In­sti­tut dem Haupt­the­ma „woh­nen+/-aus­stel­len“ in For­schung und Leh­re. Es un­ter­sucht, wie et­was so schein­bar Pri­va­tes und In­di­vi­du­el­les wie das Woh­nen im­mer ge­sell­schaft­lich ver­mit­telt, über­formt, ein­ge­rich­tet und zu­ge­rich­tet wird.

Nicht nur die For­schung und Leh­re so­wie För­de­rung des wis­sen­schaft­li­chen Nach­wuch­ses, son­dern auch ei­ne Ver­net­zung von sei­nem „Denk- und Dis­kurs­raum“ wird vom In­sti­tut an­ge­strebt, auch durch viel­fäl­ti­ge Ko­ope­ra­tio­nen mit an­de­ren In­sti­tu­tio­nen. Das ist mög­lich, weil es als Dritt­mit­tel­in­sti­tut aus der gleich­na­mi­gen Stif­tung fi­nan­ziert wird. Stif­te­rin ist die Psy­cho­lo­gin und Er­bin ei­ner Kunst­samm­lung, Ma­ri­ann Steegmann, die ei­nen Teil ih­res Ver­mö­gens zur För­de­rung von Frau­en in Kunst und Mu­sik vor­ge­se­hen hat.



„Architektur für Alle?!“

Da ent­stand bei­spiels­wei­se 2023 der For­schungs­sa­lon „Ar­chi­tek­tur/Fe­mi­nis­mus“ in der Aus­stel­lung „Ar­chi­tek­tur für Al­le?!“ im Bre­mer Wil­helm Wa­gen­feld Haus. Da sind kon­ti­nu­ier­lich Vor­trags­rei­hen, auch on­line, wie im Mai/Ju­ni 2025, in Ko­ope­ra­ti­on mit dem In­sti­tut für Kunst­wis­sen­schaft - Film­wis­sen­schaft - Kunst­päd­ago­gik der Uni­ver­si­tät Bre­men. Da sind Ta­gun­gen, ei­ne Schrif­ten­rei­he oder ei­ne For­schungs­bi­blio­thek, und vie­les mehr.

„Wohn/Raum/Denken – Politiken des Häuslichen in Kunst, Architektur und visueller Kultur“ war eine internationale Tagung des Forschungsfeldes „wohnen+/−ausstellen“ im Juli 2015. Bilder (hier und oben) © Franziska von den Driesch

„Woh­nen – je­ner ver­meint­li­che Ort des Pri­va­ten – ist in der Mo­der­ne als ge­sell­schaft­li­cher Schau­platz fi­gu­riert, an dem sich die in­nen­ori­en­tiert mo­der­ne Sub­jek­ti­vi­tät fort­wäh­rend ver­äu­ßert, aus­stellt und aus­stel­len mus­s“, hei­ßt es in ei­ner der pro­gram­ma­ti­schen Ein­füh­run­gen in die For­schung. „Woh­nen rich­tet als po­li­ti­sche, so­zia­le und kul­tu­rel­le An-Ord­nung Zu­schrei­bun­gen an Ge­schlech­ter, Eth­ni­en, Kör­per und Na­ti­on ein. Auch Aus­stel­len ist ei­ne Kon­stel­la­ti­on so­zia­ler und kul­tu­rel­ler Nar­ra­ti­ve, die im Akt des Zei­gens Wis­sen und Vor­stel­lun­gen pro­du­ziert.“



Geschlechterdifferente Fragestellungen

Im For­schungs­feld „woh­nen+/-aus­stel­len“ wird nun das Prin­zip des Ein­rich­tens und Aus­stel­lens in ver­schie­de­nen bild­li­chen und räum­li­chen For­ma­ten un­ter­sucht, zum Bei­spiel in Wohn- und Kunst­aus­stel­lun­gen, In­te­ri­eur(Bil­dern), Pu­bli­kums­zeit­schrif­ten, Film, Fern­se­hen und In­ter­net, und zwar un­ter ge­schlech­ter­dif­fe­ren­ten Fra­ge­stel­lun­gen.

Dr. Kathrin Heinz und Prof. Dr. Irene Nierhaus haben das Mariann Steegmann Institut an der Universität Bremen gegründet – hier abgebildet in der Fotoserie „Gästezimmer_2014“ von Franziska von den Driesch. Bild © Franziska von den Driesch

Bei­spiels­wei­se kon­zen­triert sich das Pro­jekt „Wohn­sei­ten“ auf die Er­for­schung von deutsch­spra­chi­gen il­lus­trier­ten Zeit­schrif­ten zum The­ma Woh­nen. Ge­fragt wird, auf wel­che Wei­se Zeit­schrif­ten und wei­te­re (in­ter-)me­dia­le For­ma­te Dis­kur­se des Woh­nens pro­du­zie­ren, ge­stal­ten und ver­mit­teln, und in­wie­fern da­durch die seit der Mo­der­ne wirk­sa­men Vor­stel­lungs- und Sub­jek­ti­vie­rungs­wei­sen kon­sti­tu­tiv mit­ge­stal­tet wer­den.



Transdisziplinäre Forschung

Ame­lie Ochs und Dr. Ro­san­na Um­bach wid­men sich an­hand meh­re­rer Bei­trä­ge in den Kri­ti­schen Be­rich­ten Nr. 53, 2025, dem The­ma „Woh­nen mit Klas­se“. Hier geht es um die neu­en Klas­sis­men, wie sie sich in Wer­te- und Äs­the­tik­ge­mein­schaf­ten, bei­spiels­wei­se auf So­ci­al Me­dia, äu­ßern. Oder das Pro­jekt „c/o HA­BI­TAT TIER“ un­ter der Lei­tung von Dr. Chris­tia­ne Keim, Dr. Sil­ke Försch­ler und As­trid Sil­via Schön­ha­gen un­ter­sucht, wel­chen Platz Men­schen den Tie­ren zu­wei­sen, und zwar in An­leh­nung an Don­na Ha­ra­ways Kon­zept der „in­ter­spe­cies re­la­ti­ons­hip­s“ so­wie in Er­wei­te­rung des klas­si­schen Oi­kos-Be­griffs. Hier wie auch in an­de­ren For­schungs­fel­dern wer­den im Sin­ne der Trans­dis­zi­pli­na­ri­tät neue und neu­es­te For­schungs­an­sät­ze auf­ge­grif­fen. Um die­sen Pro­zess zu för­dern, wur­den von der For­schungs­grup­pe „woh­nen+/-aus­stel­len“ For­schungs­werk­stät­ten ein­ge­rich­tet, in de­nen die Teil­neh­mer*in­nen in re­gel­mä­ßi­gem Aus­tausch ste­hen.

Seit 2013 lädt das In­sti­tut dar­über hin­aus re­gel­mä­ßig Künst­ler*in­nen und Ge­stal­ter*in­nen zu Vor­trä­gen ein, de­ren künst­le­ri­sche Po­si­tio­nen dis­kur­si­ve An­schluss­stel­len und kon­zep­tio­nel­le Ver­schrän­kun­gen zum For­schungs­feld „woh­nen+/-aus­stel­len“ bie­ten. Mit sei­nen zahl­rei­chen For­schungs-, Lehr- und Ver­mitt­lungs­for­ma­ten be­ab­sich­tigt das In­sti­tut, die aka­de­mi­sche In­sti­tu­ti­on Uni­ver­si­tät er­heb­lich zu er­wei­tern.

 

Weitere Informationen:
www.mariann-steegmann-institut.de

Prof. i. R. Dr. Gerda Breuer

1995 – 2014 Pro­fes­so­rin für Kunst- und De­sign­ge­schich­te an der Berg. Uni­ver­si­tät Wup­per­tal. Lei­te­rin der dor­ti­gen De­sign­samm­lung. 2005–2012 Vor­sit­zen­de des wis­sen­schaft­li­chen Bei­ra­tes der Stif­tung Bau­haus Des­sau. 2014 – 2016 Re­se­arch Fel­lowship Stif­tung Bau­haus Des­sau. Aus­stel­lun­gen und Ver­öf­fent­li­chun­gen zur Kunst-, Fo­to­gra­fie- und De­sign­ge­schich­te des 19. und 20. Jahr­hun­derts.