NACHRUF

Claus A. Froh, DDC Ehrenmitglied und Gestalter mit unverwechselbarer Handschrift, ist am 25. Februar 2026 verstorben. Sein Kollege, Nachbar und DDC Mitglied Hans-Jürgen Fein erinnert sich an einen Mann, dessen Klarheit, Qualität und Haltung Werbung zu echter Kommunikation machten.

Veröffentlicht am 06.05.2026

Claus A. Froh (1936–2026). Bild © privat

Claus und ich waren Nachbarn. Nicht erst, als wir Haus an Haus lebten. Nicht erst, als unsere Gärten aneinandergrenzten und seine Musik an Sommerabenden über die Terrasse bis zu uns herüberklang. Unsere Nachbarschaft begann viel früher – beruflich, gestalterisch, geistig. 

Ich erinnere mich noch gut an die Zeit meines Werbestudiums. Es war die Hochphase der Printkultur. Große Zeitschriften mit hohen Auflagen waren damals Pflichtlektüre für alle, die Werbung ernst nahmen. Unser Professor sagte uns: „Schaut euch jede Woche diese Hefte an.“ Und so blätterten wir durch diese relevanten Magazine, studierten die Anzeigen, analysierten die Gestaltung, die Texte, die Fotografie, den Auftritt großer Marken. 

In dieser Zeit begegnete ich zum ersten Mal den Arbeiten von Claus. Seine Anzeigen hatten etwas, das mich sofort faszinierte. Sie waren klar, reduziert, ruhig, aufgeräumt. Sie wirkten gar nicht wie Anzeigen im üblichen Sinne. Nichts daran war reißerisch, nichts laut, nichts billig verführerisch. Sie wollten nicht überreden, sie wollten nicht blenden. Sie sprachen mit einer besonderen Seriosität, mit Respekt vor dem Betrachtenden, ehrlich über ein Anliegen, über ein Produkt, über ein Unternehmen. 

Text- und Bildaufbau hatten eine Souveränität, die schon durch ihre Ruhe Anspruch, Design und Luxus kommunizierte. Es war Kommunikation ohne Effekthascherei. Marken wie bulthaup und Gaggenau wurden nicht einfach beworben, sie wurden in ihrer Haltung sichtbar gemacht. Für mich war das damals prägend. Diese Reduktion, diese unaufgeregte Qualität begleiteten mich weiter – auch in meinem späteren Gestaltungsstudium. Ich hatte diese Bilder im Kopf: So schön, so ruhig, so klar kann Kommunikation sein. 

Jahre später, als ich selbst beruflich die Möglichkeit bekam, große Anzeigen in diesen Zeitschriften zu entwerfen und zu schalten, begegneten sich unsere Arbeiten – diesmal Seite an Seite. Ich blätterte durch ein Heft, sah eine Anzeige von „Claus A. Froh“ – mit diesem Namen signierte er alle seine Arbeiten – und dann, auf der nächsten oder übernächsten Seite, stand meine eigene. So wurden wir auf eine fast beiläufige, aber sehr schöne Weise auch dort Nachbarn: in den Medien, in der Öffentlichkeit, im gleichen gestalterischen Raum. 

Und weil man, wenn man eine ähnliche Vorstellung von Klarheit, Qualität und Präzision verfolgt, oft bei ähnlichen Menschen landet, kreuzten sich unsere Wege auch in der Entwicklung der Motive. Wir arbeiteten mit herausragenden Fotograf*innen, mit großartigen Innenarchitekt*innen, mit Menschen, die die gleichen Ansprüche teilten. Der Fotograf Rudolf Schmutz aus Hamburg und der Innenarchitekt Rolf Heide, ebenfalls aus Hamburg, gehörten zu diesen besonderen Persönlichkeiten. Es waren Menschen, die nicht nur ihr Handwerk verstanden, sondern auch eine Lebensauffassung verkörperten, die zu Claus passte – und auch zu mir. Über Jahrzehnte konnten so außergewöhnliche Ergebnisse entstehen: Bilder, Räume, Anzeigen, die nicht nur gestaltet waren, sondern Haltung hatten. 

Wir waren Nachbarn in Produktionsstudios, gaben uns gewissermaßen die Klinke in die Hand. Wir trafen uns auf Design-Events, saßen bei Veranstaltungen manchmal als Tischnachbarn nebeneinander. Persönlich kannten wir uns damals noch nicht wirklich eng, aber unsere Arbeiten kannten sich. Unsere Haltungen kannten sich. Unsere Bilder, unsere Texte, unsere Vorstellungen von Qualität standen längst in einer Art Nachbarschaft zueinander. 

Und dann wollte es der Zufall, dass Claus tatsächlich auch in meinem Heimatstädtchen wohnte. Aus der beruflichen und gestalterischen Nachbarschaft wurde eine wirkliche. Erst wohnten wir Wohnung an Haus, später dann Haus an Haus. Wir wurden direkte Gartennachbarn. Damit begann eine neue Nähe. Claus wurde nicht mehr nur zu jemandem, dessen Arbeiten ich bewunderte. Er wurde zu einem Menschen, dem ich im Alltag begegnete. Wir stellten fest, dass uns sehr viel verband: die Liebe zur Klarheit und zur höchsten Qualität – in der Gestaltung ebenso wie im Leben. 

Claus war ein fantastischer Geschichtenerzähler. Er erzählte wortreich, blumig, mit großer Freude und mit einer ganz eigenen Art, Menschen mitzunehmen. Man konnte ihm lange zuhören. Und man sah ihm an, wie sehr es ihm gefiel, wenn jemand wirklich zuhörte – nicht nur höflich, sondern aufmerksam, wertschätzend, interessiert. Ich glaube, genau das war auch einer der Gründe, warum seine Kund*innen ihn so schätzten. Claus konnte Menschen Einzigartigkeit geben. Er sprach qualitätsvoll, souverän, überzeugend – nicht laut, nicht drängend, sondern weil er selbst so war. Er half seinen Kund*innen, sich selbst besser zu verstehen: ihre Marke, ihre Haltung, ihre Möglichkeiten. Weil er selbst einzigartig war. Vielleicht war das sein großes Talent. 

Er machte nicht einfach Werbung. Er gab Orientierung. Und deshalb konnte er über so lange Zeit so hochkarätige Kund*innen betreuen. 

Seine Kommunikation und sein Leben waren auf merkwürdige und schöne Weise eins. Der Anspruch an seine Arbeiten war auch der Anspruch an sein Denken. Die Freude an seiner Arbeit war auch die Freude seines Lebens. Und bei aller Professionalität, bei aller Reduktion und Strenge im Anspruch blieb da immer der Mensch: einer, der genießen konnte, der einen guten Wein zu schätzen wusste, eine exzellente Zigarre, ein exzellentes Essen, ein wertvolles Gespräch. 

Besonders schön waren die Sommerabende im Garten, die oft zu Sommernächten wurden. Wir saßen draußen, sprachen über Design, über Werbung, über Fotografie, über Kund*innen, über Qualität – und oft auch einfach über das Leben. Dazu kam die Musik. Claus liebte klassischen Jazz, und auch darin trafen wir uns. Wenn er auf seiner Terrasse saß und seine Musik hörte, manchmal vielleicht ein wenig zu laut, dann klang dieser Jazz bis zu uns herüber. Im Grunde bespielte er damit nicht nur sein Haus, sondern auch unseres. Die Musik legte sich über beide Gärten, über beide Terrassen, über diese ganze Nachbarschaft. Es war keine Störung, sondern eine Verbindung. Dieser Jazz gehörte zu ihm, und irgendwann gehörte er auch zu unseren Abenden. Das sind Erinnerungen, die bleiben. 

Ich bin sehr dankbar, dass ich neben Claus leben durfte. Unsere Nachbarschaft zog sich wie ein roter Faden durch viele Ebenen: beruflich, gestalterisch, kulturell, musikalisch, menschlich und schließlich ganz konkret räumlich. 

Claus A. Froh verstarb am 25. Februar 2026 im hohen Alter, kurz vor seinem 90. Geburtstag. 

Nach seinem Tod gab es noch einen Moment, der für mich sehr viel von Claus in sich trug. Ich traf mich mit seiner Tochter Evelyn Froh in seinem Haus. Eigentlich war es gar nicht groß geplant, aber wir beschlossen kurzfristig, noch ein Glas Wein zusammen zu trinken. Evelyn ging in den Keller und holte eine Flasche italienischen Rotweins. Wir öffneten sie, tranken, sprachen über Claus – und dieser Wein war unglaublich gut. Wir waren uns ziemlich sicher, dass es ihm gefallen hätte, wenn er gewusst hätte, dass wir genau diesen besonderen Wein trinken und dabei über ihn sprechen. Vielleicht war es sogar die schönste Art, ihm nah zu sein: mit einem guten Glas Wein, mit Erinnerung, mit Wertschätzung, mit Dankbarkeit. 

Danke für diese Nachbarschaft 

Zum Wohl, Claus!