Umsetzung

Immer wieder wird berichtet, dass Frauen seltener in Führungspositionen befördert werden als Männer. Dieses Phänomen wird gläserne Decke genannt. Doch was bei den Artikeln fehlt, ist ein internationaler Überblick über die Entwicklungen. Was wird wo unternommen, um Chancengleichheit herzustellen? Was hält Frauen in ihren Karrieren zurück?

Meine Lösung ist eine Zeitung, die alle 5 Jahre erscheint und die Gleichstellung der Geschlechter in 29 Ländern untersucht. Sie gibt 40 Stimmen eine Plattform. Jede Art von Stimme (Fakten, Erfahrungen, Zitate und Statistiken) wird durch eine eigene visuelle Sprache vermittelt. Die gesamte Gestaltung versteht sich als Metapher für das Aufbrechen der Gläsernen Decke. Dadurch entsteht ein wertebasierter Mikrokosmos: Die Statistiken nehmen sich zum Beispiel bewusst zurück, damit sich die Stimmen der Frauen umso stärker ausbreiten können. Je besser ein Land bei der Gleichberechtigung abschneidet, desto mehr Raum nehmen die Stimmen ein und desto stärker wird das traditionelle Layout aufgebrochen.

Um dieses komplexe typografische System zu erreichen, habe ich viel experimentiert, verworfen und neu verknüpft. Dabei begleiteten mich die Fragen, wie interagieren die Stimmen wertschätzend miteinander, wie sprengen sie sukzessive das Raster? Aber auch, wie visualisiere ich meine eigene Wertvorstellung bezogen auf das Thema? Dafür habe ich ein Plakat gestaltet, das wie ein gläsernes Moodboard zusammenfasst, was die gläserne Decke für mich ausmacht. Jedes Bild visualisiert dabei einen Aspekt. Indem ich die Bilder auf meinen Körper beziehe, erschaffe ich eine Hommage an April Greiman’s „Does it make sense?“ (1986). Sie war eine Pionierin des feministischen Designs. Das Plakat ist auf die Doppelseiten aufgeteilt und kann von den Leser*innen wie ein Puzzle zusammengefügt werden.

Laut dem World Economic Forum wird es noch 136 Jahre dauern, bis sich die Gleichstellung der Geschlechter weltweit durchsetzt. Das bedeutet, es werden noch 27 Ausgaben erscheinen müssen, bis das Ziel erreicht ist. Oder wir arbeiten daran, dass Frauen bei gleicher Kompetenz auch gleich kompetent wahrgenommen werden, dass Frauen so gefördert werden wie ihre Kollegen und dass sich Karriere und Familie ergänzen und nicht ausschließen. „The Glass Ceiling“ demonstriert inhaltlich und gestalterisch bereits heute, wie die Lösungen für die Chancenungleichheit auf dem Arbeitsmarkt aussehen können.

289x380mm, 60 Seiten, CMYK, Digitaldruck auf Zeitungspapier, gefaltet.

Einreicher
Rebekka Hausmann

Mentor*innen
Giliane Cachin
Marietta Eugster
David Keshavjee

Hochschule
Zürcher Hochschule der Künste, Studiengang Visual Communication

Kategorie
Kommunikation

Auszeichnung
Ausgezeichnet